 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Lemonfish
Sie hatten es satt, dass Laptop-Taschen wie „schwarze Kästen“ aussahen. So gründeten Alexandra Dittrich (36) und Bettina Burchard (39) im Jahr 2001 ihre Firma „lemonfish“. Die Taschen aus Plüderhausen sind funktional – und trotzdem schön. Ihre Kollektion „Feld & Brot“ lassen die beiden Designerinnen im Frauengefängnis Schwäbisch Gmünd herstellen. Durchdachte Taschen sind ihr Ding. Darin verstauen Bettina Burchard und Alexandra Dittrich vom Laptop nebst Zubehör über die Kamera und Objektive bis hin zum Akkuschrauber so ziemlich alles, was Mensch mit sich herumträgt. Vor sechs Jahren machten sich die Designerinnen mit ihrer Firma „lemonfish“ selbstständig. Seitdem beweisen Dittrich und Burchard, die beide Produktgestaltung an der FH Schwäbisch
Gmünd studiert haben, dass eine Tasche funktional und schick zugleich sein kann.
Zur „lemonfish“-Kollektion gehören inzwischen nicht nur Taschen für Laptops, sondern auch Sporttaschen und Kulturbeutel. „Wir sehen uns nicht als Firma, die nur modische Taschen macht. Wir schauen immer auf die Ergonomie - und Spaß am Handhaben sollte der Benutzer auch haben“, erklärt Alexandra Dittrich. Auf die Tasche gekommen ist sie erst nach ihrem Studium, während sie für eine Firma, die Fototaschen herstellt, arbeitete. Als eine Kollegin in Mutterschutz ging, stieg auch Bettina Burchard dort ein. Gemeinsam reisten sie nach Fernost, wo die meisten Taschen hergestellt werden. „Wir haben viel gelernt - wie produziert wird, welche Schritte dazu nötig sind. Das war ein komplettes Paket, das man als Designer sonst eher nicht bekommt.“ Gut gerüstet starteten sie 2001 mit „lemonfish“ in die Selbstständigkeit. Der Zwei-Frau Betrieb, der 2003 nach Plüderhausen zog, hat zwei Standbeine: zum einen die eigene Marke „lemonfish“, zum anderen arbeiten Burchard und Dittrich im Auftrag von Firmen wie Kärcher, Cullmann oder Metabo. Was eine Tasche bieten muss, das arbeiten die Gestalterinnen im Gespräch mit ihren Kunden aus. Funktionalität geht vor Effekten, die Entwürfe müssen produzierbar und erschwinglich sein. „Manchmal geht es um ein Zehntel von einem Cent“, ist Bettina Burchards Erfahrung. Ein bisschen teurer - das geht nicht.
Über drei, vier Mustergänge tasten sich die Designerinnen in Rücksprache mit ihrem Auftraggeber an das endgültige Modell heran. Manchmal dauert das drei Monate, manchmal ein Jahr. Produziert wird vorwiegend in Fernost. „Sonst wäre es nicht bezahlbar“, sagt Alexandra Dittrich. „Feld & Brot-Serie“ mit ausgemusterten Bundeswehrtaschen Weil sie mit der Massenproduktion in Fernost aber nicht ganz glücklich waren, suchten Bettina Burchard und Alexandra Dittrich nach Alternativen. Und stießen auf ausgemusterte Bundeswehrtaschen aus den 60er Jahren. Die lagen in einer Halle und sahen so aus, wie der jeweilige Soldat sie vor gut 20 Jahren abgelegt hatte: „Wir haben Schneebrillen, Handschuhe und sogar Briefe drin gefunden.“ Die Taschen kamen zuerst in die Wäscherei und dann ins Frauengefängnis Schwäbisch Gmünd. Dort verzieren zwölf Näherinnen die Stücke aus grobem Baumwollstoff mit Stickereien, Stoffen oder Swarovski-Steinen. Das und die Spuren jahrelangen Gebrauchs machen jede Tasche zum Einzelstück. Und da bei „lemonfish“ die Funktionalität nun mal oberstes Gebot ist, verbirgt sich in jedem Exemplar aus der „Feld & Brot“-Serie ein neues Innenleben mit praktischen Fächern für Laptop, Stifte und Handy. „Inzwischen haben wir so viele Bestellungen, dass die Frauen gar nicht mehr hinterherkommen“, sagt Alexandra Dittrich. Schade nur, dass das Kontingent an Bundeswehrtaschen begrenzt ist.
Doch die Unternehmerinnen haben schon etwas Neues entdeckt: alte Bundeswehr- Seesäcke aus stabilem Stoff, die auseinandergeschnitten, neu zusammengenäht und mit kultigen Stoffen aus den 60er und 70er Jahren oder Details wie Schließen und Gurten kombiniert werden. Der Vorrat geht nicht so schnell zur Neige, weiß Bettina Burchard: „Da gibt’s noch Tausende.“
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|